Oh du neue Wahlheimat

„Man bereut nie, was man getan, sondern immer, was man nicht getan hat.“  Marc Aurel

Der Wunsch nach Ferne bedeutete keine Unzufriedenheit mit dem was wir hatten. Wir konnten einfach aufstehen und gehen. Wir sehen es als ein aufregendes Abenteuer, eine Herausforderung und eine Art, unser eigenes Leben zu verwirklichen.

Als wir umzogen, wussten wir nichts über die Schweiz. Keiner von uns war vorher schon mal hier im Urlaub. Mehr als nur ein neuer Job. Stimmen die Geschichten über Heidi, der Idylle? Es mag zwar so einiges relativ gleich erscheinen, jedoch die Leute, die Sprache, Sitten, Bräuche, das Bier und die Lebenseinstellung hier sind sehr anders. Supermärkte, Nahverkehr, Bank oder diverse Öffnungszeiten stellen uns vor eine neue Herausforderung. Also begegnen wir allem mit einer großen Portion Offenheit. Einige Vorinformationen sammelten wir auf diversen Gruppen in Facebook. Im nachhinein betrachtet waren es nur kleine Tropfen auf den heißen Stein. Schon allein wegen der 26 Kantone die alle eine eigene Verfassung und eigene gesetzgebende, rechtsprechende Behörden haben.

In den Rest werden wir schon hineinwachsen. Es ist kein Problem, ein Projekt in Angriff zu nehmen und es zum Laufen zu bringen. Entscheidend ist es, schnell zu begreifen, dass die Dinge, die uns selbstverständlich erschienen und über die wir gar nicht mehr viel nachdachten, in der neuen Wahlheimat gänzlich anders gesehen und gehandhabt werden. Hier gibt es zum Beispiel keinen DigiDi wie in den Niederlanden. Dieser steht für eine digitale Identität. Mit diesem Code konnten wir alles online regeln.  Kindergeldantrag, Steuererklärung, Versicherung und noch so viel mehr. Nun gewöhnen wir uns gerade wieder an den Postverkehr und das alles eben ein wenig mehr Zeit in Anspruch nimmt. Auch unseren Wocheneinkauf müssen wir fortan gut überlegen und planen. Von Montag bis Sonntag einkaufen bis 21 Uhr und am Sonntag bis 18 Uhr, so war es in den Niederlanden. Um unseren neuen Wohnort herum haben wir 6 Tage die Woche Zeit einkaufen zu gehen. Unter der Woche Montag bis Donnerstag bis 19 Uhr, freitags bis 21 Uhr und am Samstag bis 17 Uhr. Glücklicherweise habe ich bereits mit einem Einkaufszettel in den Niederlanden gearbeitet.  😉 Ansonsten haben wir zum Glück nette Nachbarn die uns helfen, wenn wir doch etwas vergessen haben.

Wir leben gern an Orten mit Charakter. Das liebten wir bereits an Dordrecht. Die älteste Stadt im ehemaligen Holland. Mit der Sankt-Elizabeth-Flut wurden große Teile Südhollands überschwemmt, dadurch wurde Dordrecht zur Insel. Ja, wir lebten somit rund 11 Jahre auf einer Insel. 😉 Jetzt befindet sich unser neues Zuhause in einer ruhigen Sackgasse am Rande eines Dorfes hier in der wundervollen Schweiz. Es waren die vielen Fenster, dieser Wahnsinns Ausblick auf den Jura und das natürliche Licht, das uns beeindruckte. Der geflieste Fußboden und das Doppelwaschbecken waren definitiv zusätzliche Boni.

Mehr und mehr passen wir uns an das dörfliche Leben. Das wir nicht von hier sind, merken uns seltsamerweise alle an. 😉 Spass muss sein. Bis wir jedoch in in der Lage sind, mehr Freiheit und mehr Zeit zu haben, Dinge zu erforschen die uns begeistern wird noch einige Zeit ins Land gehen. Doch hey, es ist erfrischend, hier ein Gemeinschaftsgefühl zu haben. Wir klopfen an die Tür, und alle treffen sich im Garten. Die Leute erinnern sich an unsere Namen und wir sprechen mit allen Nachbarn. Sympathie auf beiden Seiten, einfach schön. Der Sommer, unser Sommer unterm Apfelbaum werden wir so schnell nicht vergessen. Eine Zeit des einleben, ankommen und neu starten. Soviel wertvolle Informationen, lustiger Austausch oder einfach nur gemeinsames schweigen.

Mach es mehr als nur bewohnbar, aber wirklich schön, um darin zu Leben. So ein Umzug bringt ja allerlei Arbeit mit sich. Stehen die Möbel erst einmal da wo sie stehen sollen ist es noch lange nicht vorbei. Kisten ausräumen, Schränke einräumen. Löcher bohren, Bilder aufhängen, irgendwann hatte ich die Nase voll. Ein Gedanke machte sich öfters breit, das kann ich auch morgen noch machen. Doch jetzt nach etwas mehr als 3 Monaten des Umzugs sind wir angekommen und alles ist ausgepackt und hat seinen neuen Platz gefunden. Bis auf ein paar Schranktüren die noch möglichst zeitnah abgeschliffen und neu versiegelt werden müssen, sind wir fertig.

Und Matilda? Für sie ist alles wie eine große Reise. Super integriert hat sie sich bereits in den Kindergarten. Neue Spielfreunde sind ebenfalls gefunden. Die ersten festen wiederkehrenden Termine haben ihren Platz im Kalender gefunden. Einige Worte in Mundart berndeutsch (bärndütsch) kann sie auch schon. Und jeden Tag sehen wir wie sie mehr und mehr aufblüht und glücklich ist in ihrer neuen Umgebung. 💕

Was wir so gar nicht vermissen?! Die Menschenmassen, die sich hektisch versuchen in den Bus oder die Bahn zu drängen. Hier geht alles ein Stück langsamer, man drängelt nicht. Stressfrei.

Bist du auch umgezogen und gewöhnst dich neu ein? Was interessiert dich noch im Unterschied zu den Niederlanden?

Ich freue mich von dir zu hören.

Viele liebe Grüße

Nadine


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